Tag32: Donnerstag 29.09.05

"Ich schätze, jetzt bin ich der Chronist in unser'm Knabenchor -
hej Jungs, was habt'n heute abend vor?
Hm, ich mach hier nur noch meine Strophe fertich,
pack' meine Siebensachen und dann werd' ich
mich zum HSV-Spiel begeben,
denn wenn man ehrlich gesteht,
sind solche tollen Fußballspiele eher spärlich gesät!"

(frei nach Fettes Brot - "Jein")

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1:0

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Weit vorher: Thorsten erscheint und holt seine Karten ab - ein Mit-IGi (und 3 Freunde), der seine Kontakte nach København nutzt (siehe Gästebuch), um noch Karten für's Spiel zu bekommen. Angeblich waren schon die Fähre und die Autobahn mit Hamburgern gefüllt! Die Vorfreude steigt!

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Vorher: Einer uns elektronisch überstellten Einladung folgend, finden wir uns um 16:18 Uhr (3 Minuten zu spät) in der Bibliothek der Designschule ein. Eine Einführung in das System der selbigen steht auf dem Programm (hervorragend geschwollen formuliert bisher, mal sehen, ob ich das durchhalte! Also:). Einen ermüdenden, detailreichen, umfassenden, erleuchtenden, viiieles erklärenden Vortrag und ganze 7 Minuten später sind wir schlauer: Die Bücher sind alphabetisch geordnet, "I" ist im Nebenraum. Im Durchgang zum Nebenraum steht ein M&M-Automat. Und: Im Internet kann man englische Begriffe suchen.
Also: 25 Minuten fahren wir hin zu dieser Schule (Feierabendverkehr) und 35 Minuten fahren wir zurück (HSV-Anreiseverkehr), da hätte es schon ein klitzeklitzeklitzekleines bißchen mehr Information sein dürfen. Im Grunde war schon die ganze EMail völlig falsch aufgebaut: Statt "Kommt uuunbedingt alle her, ihr erfahrt ganz ganz furchtbar wichtige Dinge, ohne die Ihr das Studium niemals nie schaffen werdet, jetzt mal ehrlich, Junge!" hätte sie lauten müssen: "Moin Mädels, übrigens, die Bücherei funktioniert exakt genauso wie alle anderen Büchereien auf Gottes weiter Erde, schönes Wochenende, Prost." Und fertig ist der Lack. Dann hätte ich 2 Stunden schlafen können und jetzt keine schlechte Laune.
Rückfahrt: In der Stadt sehen wir die ersten blau behängten, alkoholbefüllten Deutschen. Nachher müssen wir unsere (natürlich) gekauften Schals an die Scheiben hängen, wenn wir zum Schtadion fahren!

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So, DU! Du geneigter Leser dieses TAGEBUCHES. Gerade ist es 2:05 am Freitagmorgen. Einnklich wollte ich erst nach dem Aufstehen über das Spiel schreiben, aber gerade war ich mit Basti pinkeln und Zähne putzen. Was an sich kein Grund wäre, jetzt noch schriftstellerisch tätig zu werden, aber. Wir haben den Tag - naja, den Abend - noch einmal Revue passieren lassen, und Basti sein Kommentar zu unseren Ergüssen (jajaja): "Na, das wäre ja mal ein Männerkommentar, kein Johannes-B-Kerner-Kommentar, der ja doch nur die Blümchen am Spielfeldrand zählt und nicht die Tore!" Das hat meinen Stolz geweckt. Deshalb gehe ich nun einmal meine gesammelten Notizen und verschwommenen Erinnerungen durch und werde - als absoluter Fußballlllaie - das Spiel F-C-KĂžbenhavn-gegen-Hamburger-Sport-Verein kommentieren. Wenn (und nicht falls) Basti morgen seinen Sennep dazu geben möchte, kann er das gerne... nun ja, eben morgen machen.

Wir kommen also dort an und umrunden einmal (fast) das ganze Stadium auf der Suche nach unserem Eingang und kommen dabei auch an dem Eingang vorbei, der die Hardcore-HSV-Fans eigentlich zu ihrem persönlichen Fanblock bringen sollte. Dort wird allerdings gerade niemand reingelassen, was die allgemeine Stimmung natürlich... "fördert" (betrunkene Fusi-Fans nicht in ihren Block lassen, wie dumm kann man sein) und doch sehr zu unser Unterhaltung beiträgt. Wir müssen dort ja nicht anstehen :-) Direkt vor dem Eingang lernt Basti neue Freunde kennen: Ein Däne schenkt ihm ein Bier, weil er selber das nicht mehr schafft vor Betreten des Stadions und ein (sogar für Hamburger Verhältnisse) sehr betrunkener HSV-Fan beginnt einen an Basti gerichteten Dialog mit "Das Leben ist kein Picknick..." und lässt dann durchgehend weitere Weisheiten folgen, bis wir ihn aus den Ohren verlieren. Keine Ahnung, was er uns sagen wollte. Wir treffen ihn oben vorm Damenklo wieder, wo er Basti um den Hals fällt! Seine Begründung dafür ist zu gelllllalt, als dassss sie verständlich wäre. Wieso gibt es auf dem Damenklo eigentlich kein fließendes Wasser? Ihr Frauen seid echt eklig, Junge.

Wie auch immer, wir beziehen unseren Block: D10, Coca-Cola-Tribüne. Zitat des Fußballkartenfachverkäufers: "Direkt über dem HSV-Fan-Block!" Was Dänisch ist für "Wenn ihr aufsteht und euch etwas streckt, könnt ihr den Hamburger Block vielleicht irgendwo rechts vor euch sehen. Davon abgesehen werdet ihr von Kopenhagenern dermaßen umringt sein, dass ihr ernsthaft überlegen müsst, eure HSV-Charles zu verstecken" Zweite Version kommt der Wahrheit näher.

Wir sind quasi pünktlich zum Spielbeginn (die Cheerleader sehen wir natürlich noch), und es geht viel versprechend los: In der 4ten Minute wird ein Hamburger gefoult! Der Fanblock steht Kopf; wenn das so weitergeht, brennen die das Stadion vermutlich ab. Überhaupt scheinen die Hamburger stimmungstechnisch die Einzigen zu sein, die ein Fusi-Stadion schon mal von innen gesehen haben. Der Typ hinter mir meint ernsthaft: "Setz Dich, sonst kann ich nichts sehen!" Prima, Du Spaßbremse. Fehlt nur noch, dass wir leise sein sollen, damit du hören kannst, was der Schiri sagt. Was für ein Vorzeigeopfer. Der HSV ist weniger gehemmt und macht ordentlich Druck. Nach ein wenig Startschwierigkeiten sind wir bald praktisch nur noch in der gegnerischen Hälfte; leider wird kein Tor daraus. Dafür gibt es 3 gelbe Karten in 1 1/2 Minuten. Wieder steht der Fanblock Kopf!

Die Pause beginnt, während der Basti wieder neue Freunde kennen lernt: Wieder Besoffene, wieder dänischer Herkunft. Im Vorbeigehen drehen sie ihm eines ihrer Biere an. Basti hat zwar mal gelernt, von böhsen Onkelz keine Bonbons anzunehmen - aber wir wissen: Bier ist ungleich Bonbon, es wird anders geschrieben und anders ausgesprochen. Auf jeden Fall sind sie so voll, dass Basti ihnen tatsächlich erzählen kann, eine ("die in der Mitte") der schnuckeligen Cheerleaderinnen wäre seine Freundin! Ich hätte den Blick der Dänen gerne selber gesehen, Bastis Version davon war auf jeden Fall schon Gold wert! Einer der Typen beginnt, mit seinen "Deutschkenntnissen" anzugeben - er sagt vorher aber nicht, dass das Deutsch sein soll! - Basti benötigt dann auch gute 5 Minuten, um das zu erkennen. Der Däne ist beleidigt und fragt Basti ernsthaft, ob dieser überhaupt Deutsch kann. Wo er doch offenbar so wenig davon versteht :-)
OK, Franzi hat ihren Müll von der Tribüne geworfen, anstatt ihn politisch korrekt zu entsorgen, ansonsten war auch nicht viel los. Meine Aufmerksamkeit war dann auch sehr von den Cheerleadern gefesselt. Im Fanblock der Hamburger war es während der Darbietungen übrigens auch immer verdächtig ruhig ;-)

Zweite Halbzeit: Boah, war da viel los! Zu viel für mein begrenztes Fußballhirn. Das soll Basti morgen erklären. Nur so viel: Es war sehr viel unterhaltsamer als die erste Halbzeit! Der Trainer der Hamburger ist als erster vom Platz geflogen. Dann einer der Spieler. Dann war das Spiel eigentlich auch schon vorbei, jedenfalls dachten das die Dänen (hehe!): Alle sind aufgestanden und haben dann auch mal etwas von sich hören lassen (im Gegensatz zu den HSVlern, die durchgehend Party gemacht haben). Und dann foult einer der selten dämlichen (also normalen) Dänen einen der sowieso nur noch 10 Hamburger. Der zweite Elfer (den ersten habe ich zu recht mal verschwiegen), in der 92ten oder 93ten Minute - ER SITZT! Die dänischen Fans beginnen, ihr Bier in den Hamburger Fanblock zu werfen und nach Hause zu gehen, die dänischen Spieler beginnen, vom Platz zu fliegen (zwischen der 93ten und dem Spielende schaffen es noch 2), und die Hamburger Fans beginnen zu feiern.

OK, Rest in Kurzfassung, denn es ist viertel viere: Wir werden von den Stewards rausgeworfen, nachdem wir noch 30 Minuten oder so gejubelt haben. Basti und ich lernen einen neuen Tanz (Video folgt). Wir fahren nach "hause". Trinken viel Alkohol. Gehen (zuletzt gerade eben) in Unterwäsche und Socken, dafür aber mit Bier, pinkeln. Werden vom Portier erwischt (eigener Alk ist verboten), der aber nichts sagt. Was wir bestimmt dem HSV zu verdanken haben ;-) auf dem Weg zum Klo finden wir 2 Türen, die nicht ganz verschlossen sind. Wir (OK, ich) stoße(n) sie ganz auf und verschwinden wie die Schulmädchen kichernd wieder in unserem Zimmer, bevor die Dänen auf dem Flur sind. OK, klingt ein wenig pubertär, zugegeben. Aber glaubt mir, wenn ich sage: Wenn Du voll bist, ist's luschtig! Nacht.

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Nachtrag Basti:

*ROFL* Ja, ja, da hat der Lennart schon einen ziemlich vollständigen Bericht abgegeben... hmm, mal überlegen... was fehlt denn noch?! Die Bekanntschaften waren dabei... *g* Die Cheerleader-Geschichte war sogar ebenfalls mit drin, wie unangenehm... (die Dänen glauben betrunken aber auch wirklich jeden Mist!)... Aber eine Bekanntschaft blieb aus!!! Ich hatte bereits mit Ticketkauf gehofft und war guter Dinge, dass Frau Van der Vaart (sollte jedem Fußballfan als angeblich schönste Spielerbraut bekannt sein) rechts neben mir im Block D10 sitzt... Auch Lennart hätte sie - nach meinen Erzählungen - sicherlich gerne persönlich kennen gelernt... Aber nein, dieses Aufeinandertreffen war uns nicht gegönnt, mist! Kein Wunder, dass ich den Dänen aus Frust die Cheerleader-Geschichte vorgaukelte! Die hatten mich schließlich ja auch genug lallend mit ihrem grauenhaften Deutsch gefoppt!

Hmm, ihr merkt schon, viel mehr Neues gibt's nicht zu erzählen! Also setzte ich meine Revue doch fort... Lennart hat doch was vergessen, vielleicht ja auch absichtlich?! Ihm und Franzi musste ich beim Auflaufen beider Mannschaften erstmal die Frage beantworten, wer welches Team sei, damit auch beide dem HSV zujubeln können... Ui... schon vor Anpfiff musste ich also feststellen, dass neben mir nicht gerade Fußball-Experten sitzen! "Ein Glück", stellte ich fest, "dann sitze ich ja richtig hier!" Denn mit meinen Alkoholstand (Lennart musste schließlich fahren) konnte ich spätestens die zweite Hälfte nicht mehr richtig und in "J.B.Kerner-Qualität" kommentieren! Also lasse ich es doch lieber auch jetzt! Na ja, es ging schon heiß her! Dass Barberez den ersten Elfmeter versemmelte, beruhigte uns HSV-Anhänger nicht gerade wirklich... Denn mit einem 0:0 wäre bekanntlich der F.C. weiter... Aber Van der Vaart regelte die Sache dann schließlich beim zweiten Elfmeter nach 90 + x Minuten! Puh, gut für mich! Denn Franzi und Lennart halten mir heute - einen Tag nach dem großen Spielfest - noch vor, dass ich vorm Elfmeterschuss ein weiters mal plante, im Falle eines Vereitelns für die letzten 2 Minuten der Nachspielzeit selbst aufs Spielfeld zu laufen, um mein Glück zu versuchen... Ein Glück, dass der Elfmeter saß...

Auf dem Rückweg glänzten dann wieder unsere Schals aus dem Auto, während "Ein Rudi Völler - es gibt nur ein Rudi Völler..." aus unserem Auto dröhnte! Ui, zum Glück waren wir in einem Stadium, wo uns sogar das nicht unangenehm war... Die HSV-Anhänger jubelten uns von außen zu... Na ja, nicht der Rede wert! Schließlich ein normales Verhalten grölender Fußballfans nach einem Sieg! Aber dennoch amüsant für alle Beteiligten!

Lennart berichtete bereits von unserer "Nachfeier" hier im Hotel... Dabei konnten wir übrigens erstmals ohne Schuhe feststellten, dass das Gemeinschaftsklo sogar eine Fußbodenheizung hat... Wahnsinn! Damit hatten wir nicht gerechnet! Das sollte gleich morgen nochmal überprüft werden, falls es sich nur als eine Einbildung herausstellen sollte!

Abschließend: Ein gelungener Fußballabend! Wir hoffen, auch ihr geneigten Leser unseres Tagebuches hattet einen solchen! Um beim hohen Niveau zu bleiben: HSV, REEEESPECT!!!

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